A. Fructoseintoleranz
Fructose ist der Zucker der
Früchte. In kristalliner Form liegt der Fruchtzucker in der Pyranose-Form
vor, die in wässriger Lösung mit der Furanose-Form über
die offenkettige Form im Gleichgewicht steht. (s. Abb.1).
Seine Lösung dreht die Ebene polarisierten Lichts nach links. Diese
Eigenschaft führte zu dem Namen Laevulose ( lat laevus, links).
In größerer Mengen
Fructose liegen gebunden in Saccharose vor. (s.Abb.2)
Der erste Schritt der Verdauung ist die Aufspaltung der Saccharose (griech.
sacharon, Zucker) in Glucose (griech.glycys, süss)
und Fructose, die dann im Dünndarm resorbiert werden. Die Passage
der Fructose durch die Dünndarmwand erfolgt mit Hilfe eines speziellen
Proteins passiv ; während Glucose unter Energieverbrauch in die Zelle
gepumpt wird.
Bei der Fructoseintoleranz
handelt es sich um eine erbliche Stoffwechselkrankheit : Als Folge eines
Enzymdefekts : der Fructose-1-Phosphataldolase kommt es zu einer Anhäufung
von Fructose-1- Phosphat in der Darmwand, in der Leber und in den Nieren.
Die Schädigung der Leber kann zu einer Zirrhose führen. Eiweißausscheidung
der Nieren wird beobachtet. (Proteinurie)
Bei Ausfall der Fructokinase
kommt es zu einer Anhäufung der mit der Nahrung aufgenommenen Fructose
im Blut und als Folge davon zur Ausscheidung von Fructose im Harn (Fructosurie).
Etwa 30% der europäischen
Bevölkerung bauen Fructose unvollständig ab, aber nicht in allen
Fällen kommt es zu Beschwerden.
Durch Einschränkung
der Fructoseaufnahme kann der Fructoseintoleranz begegnet werden. Dabei
darf der Haushaltszucker (Rohr bzw. Rübenzucker) s. Abb.
2 nicht außer Acht gelassen werden, da er leicht zu einem Gemisch
aus Glucose und Fructose (Invertzucker) gespalten wird. Auch Honig besteht
aus Invertzucker (stoffmengengleiches Gemisch aus Glucose und Fructose
aus der Spaltung von Saccharose, der Drehsinn des polarisierten Lichtes
der Saccharose (+) wird bei dieser Spaltung umgekehrt, invertiert zu (-)).
Eingeschränkt werden muss auch die Aufnahme des Diätzuckers (Zuckeraustauschstoff)
Sorbit (E420)(Abb.3),
der im Körper in Fructose umgewandelt wird.
B.Lactoseintoleranz
Milchzucker s. Abb.4
oder Lactose (lat. lactis, Milch) ist der Zucker in der Muttermilch
der Säugetiere und dient zunächst der Ernährung der Neugeborenen.
Es handelt sich um ein Disaccharid aus Glucose (griech. glycos,
süss) und Galactose (griech. galactos, Milch).
Zur Herstellung von Käse
wird das Casein der Milch gefällt, zurück bleibt die Molke aus
der der Milchzucker unter Ausnutzung der geringen Löslichkeit gewonnen
wird. Die Süßkraft s. Tab. 1 beträgt
nur 1/3 der Saccharose, deren Süßkraft zum Vergleich mit 1 festgelegt
wird. Wegen der geringen Löslichkeit hinterlässt Milchzucker
auf der Zunge einen sandigen Eindruck und wird daher auch als Sandzucker
bezeichnet. Die Bezeichnung Schleimzucker beruht auf seinem Vorkommen in
Schleimhäuten.
Um Lactose verdauen zu können,
muss sie erst in die Monosaccharide Glucose und Galactose gespalten werden.
Diese Aufgabe übernimmt das Enzym Lactase, über das Neugeborene
natürlich verfügen. Im Vergleich mit dem Enzym Saccharase, welches
den Haushaltszucker spaltet, benötigt die Lactase viermal mehr Zeit
für die Spaltung eines Milchzuckermoleküls. Daher nehmen Sportler
Milchzucker als “Retardzucker“. Die Galactose ist ein Stereoisomer der
Glucose und wird während der Verdauung in diese umgewandelt. Etwa
ab dem 5. Lebensjahr nimmt die Bildung der Lactase ab, bis zu 1/10 im Erwachsenenalter.
In Deutschland sind 17% der Bevölkerung von Lactasemangel, den man
auch als Alactasie bezeichnet, betroffen ; weltweit sind es etwa 90%. Eine
Mutation ermöglichte es unseren Vorfahren auch die Energie des Milchzuckers
zu nutzen. Dank des Überlebensvorteils konnte sich diese Mutation
bei Nordeuropäern durchsetzen. Es gibt ein Nord-Süd-Gefälle:
so ist Lactose-Unverträglichkeit in Skandinavien praktisch unbekannt,
in einigen Regionen Afrikas und Asiens sind bis zu 100% der Bevölkerung
davon betroffen.
Milchzucker wird zur Verdauung
zunächst in Glucose und Galactose gespalten ; Galactose und Glucose
werden im Dünndarm resorbiert.
Bei Milchzuckerunverträglichkeit
wird der Milchzucker mangels des Enzyms Lactase nicht gespalten und gelangt
in den Dickdarm. Dort wird er zu Milchsäure und Kohlendioxid vergoren,
was die Befindlichkeitsstörungen verursacht. Das Kohlendioxid
ist für die Blähungen verantwortlich; die Milchsäure für
die Darmreizung. Milchsäure hemmt aber auch pathogene Keime und Fäulnisbakterien.
Als Osmolaxans setzt man
größere Mengen Milchzucker ein. Er findet auch Verwendung als
Hilfsmittel bei der Tablettenherstellung und als Verdünnungsmittel
homöopatischer Arzneimittel. In der Lebensmitteltechnologie nutzt
man ihn zur Erzielung einer gewünschte Konsistenz von Tiefkühlkost
und eines cremigen Geschmacks. Auch in Wurst- und Backwaren ist Milchzucker
oft ein Teil der Rezepte.
Die übliche Ernährung
enthält etwa 25 – 35 g Milchzucker pro Tag.
Die Auslösung der Symptome
der Milchzuckerunverträglichkeit ist abhängig vom Schweregrad
der Erkrankung.
Bei leichtem Schweregrad
werden noch 8 – 10 g vertragen.
Bei mittelschwerem Grad
werden bis 1 g vertragen.
Der Gehalt an Milchzucker
variiert in verschiedenen Milchprodukten Tab.2
Fettreiche Produkte enthalten
meist weniger; Sauermilchprodukte werden teilweise gut vertragen, weil
einige Milchsäurebakterien im Dünndarm auch Lactase bilden.
In „lactosefreier Milch“
ist der Milchzucker durch Zusatz von Lactase in Glucose und Galactose gespalten
worden. Diese Milch schmeckt leicht süßlich, da Glucose eine
höhere Süsskraft als Galactose hat Tab.1
Bei der Reifung von Käse vergären Milchsäure- und Propionsäure-
Bakterien restlichen Milchzucker. Dabei entstehen neben dem typischen Käsearoma
auch Kohlendioxid, das zu den typischen Löchern im Käse führt.
Hartkäse ist daher leichter verträglich.
Eine weitere Alternative
ist die Sojamilch. Dieses pflanzliche Getränk wurde etwa 164 v. Chr.
von dem chinesischen Prinzen Liu An der Han Dynastie entdeckt und entwickelt.
Sojamilch enthält keinen Milchzucker ; mit 3,5% Proteinen gleicht sie
der Kuhmilch, der Fettanteil gleicht ebenfalls der Kuhmilch ; Sojamilch
enthält kein Cholesterol, aber ungesättigte Fettsäuren.
Die Beschwerden lassen sich
durch Vermeidung von Milchzucker erreichen, jedoch ist eine Vermeidung
nicht leicht, da Milchzucker in Lebensmitteln nicht deklariert werden muss.
Eine andere Möglichkeit ist die gleichzeitige Einnahme von Lactase,
die biotechnologisch hergestellt wird. Die gesamte asiatische Esskultur
ist frei von Lactose.
Saccharose = Haushaltszucker
= Rohrzucker = Rübenzucker
1-β-D-Galactopyranosyl-4-β-D-Glucopyranose
Lactose = Milchzucker
| Süssstoff | Süsskraft |
| Fructose | 1.5 bis 1.75 |
| Invertzucker | 1.2 |
| Honig | 1.2 |
| Saccharose | 1 |
| Glucose | 0.5 bis 0.7 |
| Galactose | 0.4 bis 0.7 |
| Sorbitol | 0.3 bis 0.5 |
| Lactose | 0.2 |
| Nahrungsfasern | keine Süsskraft |
| Milch und Milchprodukte | Gehalt an Milchzucker [g/100 g] |
| Milch | ca. 5,0 |
| Buttermilch | ca. 4,0 |
| Creme fraiche | ca. 2,0 - 2,4 |
| Desserts (Cremes, Pudding, Milchreis, Grießbrei) | ca. 2,8 - 6,3 |
| Dickmilch | ca. 4,5 |
| Eiskrem | ca. 6,0 |
| Hüttenkäse | ca. 3,0 |
| Joghurt | ca. 3,7 - 5,6 |
| Kaffeesahne | ca. 4,0 |
| Kefir | ca. 5,0 |
| Kondensmilch | ca. 11,5 |
| Magerquark | ca. 4,1 |
| Speisequark (10-70% Fett i. Tr.) | ca. 2,0 - 3,8 |
| Sahne | ca. 3,5 |