Es gibt zahlreiche Redewendungen
zu Fetten und Ölen, die auch Hinweise auf markante Eigenschaften geben.
So wird in „das Fett abschöpfen“
- sich das Beste nehmen –die Wertschätzung des Fettes ausgedrückt.
Die Redewendung ist auch in der Form „den Rahm abschöpfen“ bekannt.
Rahm wird in Österreich „Obers“ genannt. Milch ist eine Fett-in-Wasser-
Emulsion. Die Fetttröpfchen wandern nach oben, da die Dichte von Fett
mit 0,9 g.cm-3
geringer ist als die von Wasser (1,0 g.cm-3).
Die Fetttröpfchen sind
von einer Eiweißschicht umgeben, die sich verhaken und untergeschlagene
Luftbläschen festhalten können: Schlagsahne. Beim weiteren Schlagen
klumpen die Fetttröpfchen zu Butter zusammen. Butter von griech. butyron
besteht zu 82% aus Milchfett , der Wassergehalt darf 16% nicht überschreiten.
Früher galt die Anzahl
der Fettaugen auf der Suppe als Zeichen des Wohlstands. Wegen der geringeren
Dichte von Fett im Vergleich mit Wasser s.o. schwimmen die Fetttropfen
oben und werden von der großen Oberflächenspannung des Wassers
zu Fettaugen auseinander gezogen, bis sich eine monomolekulare Schicht
bildet, bzw. bis die Ausbreitung durch benachbarte Fettaugen oder durch
den Tellerrand behindert wird.
Versucht man den Schmelzpunkt
eines Fettes zu bestimmen, so beobachtet man einen Schmelzbereich, in dem
das Fett in ein Öl übergeht. Auch der Übergang in umgekehrter
Richtung ist bekannt: So bilden sich in Olivenöl bei kühler Lagerung
Flocken, die sich beim Erwärmen ohne Qualitätsverlust wieder
lösen. Es handelt sich um eine fraktionierte Kristallisation. Beim
Sonnenblumenöl des Handels wurden diese Flocken (Kristalle ) aus optischen
Gründen abgetrennt Sie enthalten u.a. Wachse. Diesen Vorgang nennt
man Winterisierung. Bei Olivenöl ist die Winterisierung nicht zugelassen.
Fette und Öle sind
gleich, ob pflanzlicher oder tierischer Herkunft, Gemische ähnlicher
Substanzen variabler Zusammensetzung. Die Zusammensetzung des Fettes bei
Tieren hängt stark von der aufgenommen Nahrung ab. So dürfen
Schweine in Korsika keine Oliven fressen. Das Fleisch würde sich wegen
des eingelagerten Olivenöls für Schinken und Würste nicht
trocknen lassen ; es würde Fett abtropfen.
In die Nachbarschaft dieses
Phänomens gehört die Redewendung „ ins Fettnäpfchen treten“.
In Bauernhäusern wurden Wurst und Schinken zum Trocknen in der Nähe
der Feuerstelle unter die Decke gehängt und Frettnäpfchen zum
Auffangen des abtropfenden Fetts darunter gestellt. Hatte man durch
Unachtsamkeit ein Fettnäpfchen umgestoßen zog man sich den Unmut
der Hausfrau auf sich.
Fettflecken und Schmiere
Schmiere ist gleichbedeutend
mit schmutzig, was in der Entwicklungsgeschichte auch für das Wort
Fett zutrifft. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass auf Fett
bzw. auf Fettflecken Schmutz besonders gut haftet.Das lateinische Wort
crassus, fett, ist die Wurzel für die entsprechenden Bezeichnungen
für Fett in romanischen Sprachen: französisch, la matière
grasse und la graisse; ital .il grasso; span. el graso und la grasa; portug.
graxa. Franz. crasseux bedeutet schmutzig.
Auch in die Botanik hat
es crassus geschafft: Zur Familie der Crassulaceae,
der Dickblattgewächse gehört Fetthenne oder Mauerpfeffer (Sedum
acer).
Hier ist wohl auch auf die
Redewendung „ sein Fett abbekommen“ hinzuweisen. Es handelte sich um Fettspritzer,
die der abbekommt, der sich zu weit vorwagt. Die Fettspritzer führen
zu Fettflecken aber zu keinem nennenswerten Anteil am dem Gut ‚Fett’.
Hier sei an das Fettfleck-Fotometer
nach Robert Wilhelm Bunsen erinnert, das es ermöglicht die Lichtstärken
von zwei Lichtquellen zu vergleichen: Ein Fettfleck auf einem Bogen Papier
lässt relativ viel Licht durch. Der Bogen wird zwischen den
beiden Lichtquellen verschoben bis der Fettfleck zu verschwinden scheint.
Zu dem mittelhochdeutschen
Wort Schmer für Fett gehört das schwedische Wort Smör für
Butter, auch Schweineschmalz und schmelzen gehören zu dieser Wortfamilie.
Bekannt ist seit dem 16. Jahrhundert das Wort Schmerbauch für eine
durch übermäßige Fetteinlagerung gezeichnete Bauchregion.
Schmer für Fett ist teilweise noch in Gebrauch.
Die Redewendung „wer gut schmiert, der gut fährt“ weist neben auf Korruption auf die Verwendung von Fett und Öl zur Schmierung hin. Schmierung ist die Verringerung von Reibung durch einen geeigneten Schmierstoff; dieser Bereich der Wissenschaft wird Tribologie genannt.
Schon bei der Suppe mit Fettaugen, aber auch an den abperlenden Wassertropfen von Entengefieder wird ersichtlich, dass Fett sich nicht in Wasser löst. Es ist ein Musterbeispiel für Wasser abweisend oder hydrophob. Die Ente schützt ihr Gefieder vor der Benetzung durch Wasser, indem sie das Fett aus der Bürzeldrüse am Oberende der Schwanzwurzel mit dem Schnabel auf dem Gefieder verteilt
Chemische Reinigung
In unpolaren Lösungsmitteln sind Fette und Öle, die man aus praktischen Gründen mit Begleitstoffen ähnlicher Lösungseigenschaften zu den Lipoiden (griech. lipos Fett) zusamenfasst, gut löslich. Diese Eigenschaft macht man sich bei der “chemischen Reinigung“ zu Nutze: In zu reinigenden Textilien mit der Pflegekennzeichnung P werden Fettflecke mit PER (Perchlorethylen) entfernt d.h. herausgelöst. Die Kennzeichnung F von englisch flammable, brennbar steht für Reinigung mit einem Gemisch von Kohlenwasserstoffen von C9H20 bis C12H26 , das man auch als Leicht- oder Waschbenzin bezeichnet. Diese Formen der Reinigung werden auch als Trockenreinigung bezeichnet, da sie ohne Wasser erfolgen.
Etherische Öle
Die Öle, die den Fetten
zugerechnet werden , werden als fette Öle von den etherischen Ölen
unterschieden. So hinterlassen etherische Öle keine dauerhaften Fettflecken
wie fette Öle. Etherisch ist der Hinweis auf die Flüchtigkeit.
Es handelt sich um Duft- und Aromastoffe, die ebenfalls hydrophob sind,
sich aber deutlich von Fetten unterscheiden. Die gute Löslichkeit
von etherischen Ölen, die apolar sind, in dem ebenfalls apolaren Fett,
macht man sich bei der Enfleurage zu Nutze: Glasplatten werden mit einem
geruchsneutralem Fett bestrichen und wiederholt mit den wohlriechenden
Blüten einer Pflanze belegt. Der Duftstoff wird vom Fett aufgenommen,
der dann für die Parfümherstellung zur Verfügung steht.
Auf der guten Löslichkeit
von Aromastoffen in Fett beruht auch die Eigenschaft der Geschmackverstärkung
durch Fett in Speisen. Von namhaften Köchen ist bekannt, dass sie
Soßen durch Einrühren von Butter verbessern, was „montieren"
genannt wird.
Öllampen
„Öl in’s Feuer gießen“ heißt einen Konflikt noch verstärken, weil Öl brennbar ist. Öllampen kannten schon die alten Ägypter. Bekannt aus Museen sind die zahlreichen griechischen und römischen Öllampen aus gebranntem Ton, in die ein Docht eingelegt wurde, an dem die Flamme ansetzt. Ein Docht, den man auch Lichtgarn nannte, ist im Prinzip ein Bündel von Kapillaren, das das brennbare Öl zur Flamme führt. Am Dochtende sind der Dampfdruck des Öles erhöht und der Flammpunkt erniedrigt: „Dochteffekt“. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Kerze aus Bienenwachs, das zunächst in der Nähe der Flamme schmilzt und dann als Öl vom Docht zur Flamme weiter geleitet wird. Für die Herstellung von Kerzen verwendete man neben Bienenwachs auch Rinder – und Hammeltalg mit dem ihm eigenen Geruch. Als Stearin bezeichnete man zunächst Glycerintristearat, dessen Isolierung mühsam war. 1825 erhielten Gay-Lussac(1787-1850) und Chevreul (1786-1889) ein Patent in Frankreich und in England auf die Herstellung von Kerzen aus einem Gemisch von Stearinsäure und Palmitinsäure. Für dieses Gemisch ist der Name Stearin erhalten geblieben. Nach der Entdeckung der Verseifung von Talg und Palmfett durch Kalk zu Kalkseife und der darauf aufbauenden industriellen Herstellung des Gemisches von Stearinsäure und Palmitinsäure. Ab 1831 und 1834 verschob sich die Bedeutung von Stearin auf dieses Gemisch. Seit 1840 wird auch Paraffin, das bei der Verarbeitung von Erdöl anfällt für die Herstellung von Kerzen verwendet.
Pflanzliche Öle
Öle sind Speicherstoffe
in Samen und Früchten; sie werden durch Pressen gewonnen.
Oliven griech. elaia
lat. oliva als Früchte des im Mittelmeerraum heimischen Olivenbaumes
Olea
europaea haben zu dem Namen Öl (franz. huile, engl.
oil,
griech. elaion, lat. oleum) geführt.
Das Erdöl hat den Namen von seiner Konsistenz bekommen, hat aber chemisch nichts mit den Pflanzenölen gemein.
Teil II
Aspekte der Chemie
Fette und Öle sind Triacylglyceride
- meist Triglyceride genannt. Die 3 Hydroxylgruppen des Glycerins (Propan-1,2,3
triol) sind mit Fettsäuren verestert. Wachse sind ebenfalls Ester
von Fettsäuren jedoch mit langkettigen gesättigten einwertigen
Alkoholen (Tab.1)
Durch Erhitzen mit
wässrigen Alkalien erhält man die Alkalisalze der Fettsäuren,
die man Seifen nennt; den Vorgang Verseifung.
Trivialnamen der Fettsäuren
Als Seife bezeichnet man
die gut löslichen Alkalisalze der Fettsäuren, die Calciumsalze
zeichnen sich durch ihre Schwerlöslichkeitaus; man nennt sie Kalkseifen.
Durch Ansäuern der
Seifen setzt man die Säuren frei; da Fette ihr Ursprung sind, nennt
man sie Fettsäuren. Der aus Olivenöl hauptsächlich erhaltene
Säure gab man den Namen Ölsäure. Aus Butter wurde als charakteristische
Säure Buttersäure erhalten. Aus Leinöl, das aus Flachs,
Linum usitatissimum, gewonnen wird, gehen die Fettsäuren Linolsäure
und Linolensäure zurück, auf Erdnussöl aus Arachis hypogaea,
Arachidinsäure und Arachidonsäure. Die Palmitinsäure ist
die Hauptkomponente des Palmöles das aus den Früchten der Ölpalme,
Elaeis
guinensis gewonnen wird. Stearinsäure kann aus tierischem Fett
griech. stear gewonnen werden. Von den Trivialnamen sind nur einige häufig
wiederkehrende im Gebrauch und damit auch die Vorstellung der Formel bzw.
der Struktur.
Bauprinzipien der Fettsäuren
Gesättigten wie ungesättigten
Fettsäuren gemeinsam ist die geradzahlige Anzahl der C-Atome,
die linear, d.h. unverzweigt angeordnet sind. Dieses Bauprinzip ergibt
sich aus der Biosynthese aus den C-2-Einheiten der aktivierten Essigsäure
(Acetyl- CoA). Die Anzahl der ungesättigten Fettsäuren ist durch
einige Regeln begrenzt: Die Doppelbindungen liegen immer in der cis-Form
vor und sind nicht konjugiert, d.h. mindestens eine –CH2-
Gruppe trennt zwei Doppelbindungen.
In der folgenden Tabelle
(Tab.2) sind häufige Fettsäuren mit ihren
Trivialnamen und der Bezeichnung nach der rationellen Nomenklatur sowie
der üblichen Kurzbezeichnung aufgeführt. Aufgenommen wurden auch
EPA
und DHA, die aus Fischöl gewonnen
und therapeutisch verwendet werden. Bei der Kurzbezeichnung steht die Anzahl
der C-Atome an erster Stelle, nach : folgt die Zahl der Doppelbindungen;
für Palmitinsäure ergibt sich 16:0, für Ölsäure
18:1.
Die Zählung der
C-Atome 1,2,3 usw., wie die nach dem griechischen Alphabet ist der Tabelle
2 am Beispiel der Palmitinsäure Abb.2
vorangestellt. Bei der Carboxylgruppe fängt die Zählung mit 1
an . Die Zählung nach dem griechischen Alphabet beginnt mit α
für das der Carboxylgruppe benachbarte C-Atom, d.h. C-2, die
β-Stellung
d.h. das C-3 spielt in der Biochemie der Fette eine besondere Rolle. Das
griechische Alphabet endet mit ω. Mit diesem Buchstaben wird das letzte
C-Atom der Kette, hier C-16, bezeichnet. In der Werbung für gesunde
Fette und Öle taucht häufig ω-3 und ω-6 auf. Das bedeutet,
dass vom ω-C-Atom aus gezählt vom 3. bzw. 6. C-Atom eine Doppelbindung
ausgeht. Verwirrend sind die Bezeichnungen α- und γ- Linolensäure;
die griechischen Buchstaben hier haben nichts mit der Nummerierung
nach dem griechischen Alphabet zu tun! Mit α- wird hier das ω-3-Isomere,
mit γ- das ω-6-Isomere bezeichnet.
Häufige Begleiter der
Öle sind die Lecithine oder Phospholipide Abb.3,
die z.B.aus Sojaöl (0,5-0,6%) gewonnen und als Emulgatoren
eingesetzt werden. Sie sind als Lebenmittelzusatzstoff
E 322 zugelassen ist. Eine
OH-Gruppe des Glycerins ist mit Phosphorsäure verestert, , die ihrerseits
z.B. mit Ethanolamin oder Cholin verestert ist. Die Fettsäuren an
den beiden anderen OH-Gruppen des Glycerins können verschieden sein.
Lecithine sind Bestandteil von Biomembranen. Lecithin wurde 1846/47 von
dem Apotheker Gobley in Paris aus Eidotter (griech. lekithos) isoliert
und benannt.
Ungesättigte Fettsäuren
Der menschliche Organismus ist nicht in der Lage ungesättigte Fettsäuren zu bilden, er muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Daher bezeichnet man sie als essentielle Fettsäuren. Da man bei ihnen, besonders für die ω- 3 und ω-6 ungesätigten Fettsäuren, nach epidemiologischen Studien eine Schutzwirkung auf das kardiovaskuläre System festgestellt hat, haben diese Fettsäuren, die man in Seefischen findet, besondere Aufmerksamkeit erlangt. Die Fische nehmen die von Algen synthetisierten Fettsäuren direkt wie indirekt auf. Es wurde von Versuchen berichtet die entsprechenden Algen-Gene in Raps-Pflanzen einzuschleußen. ω-3 und ω-6 Fettsäuren wurden auch als Vitamin F bezeichnet, sie sind als Eicosanoide (C20) Vorstufen für Gewebshormone wie Prostaglandine, Prostacyclin, Thromboxane und Leucotriene. Das Leinöl, wie auch Mohnöl und Walnussöl enthalten mit der Linolensäure (die Herkunft der Bezeichnungen α- und γ- Linolensäure für die beiden Isomere ist unbekannt und darf nicht mit der Zählung der C-Atome der Kette mit griechischen Buchstaben verwechselt werden!). Linolensäure ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, die im Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft „trocknet“. Es handelt sich dabei um eine Autoxidation, die zur Verharzung führt. Solche ungesättigte Fettsäuren werden daher als trocknende Öle bezeichnet. Durch zugesetzte Katalysatoren, Sikkative (lat. siccus trocken) wird der Vorgang beschleunigt. Trocknende Öle, vermischt mit Pigmenten, sind als Ölfarben bekannt; vermischt mit Schlemmkreide (CaCO3) als Fensterkitt. Linoleum ist ein 1863 entwickelter Baustoff aus Leinöl, Kork- und Holzmehl auf Jutegewebe, der Heute durch PVC ersetzt ist.
Analytische Methoden
Die Analyse von Fetten und
Ölen gestaltet sich schwierig, weil sie Gemische von ähnlichen
Substanzen sind, die sich kaum trennen und reinigen lassen: Die drei
Fettsäuren können variieren. Variationen sind darüber hinaus
je nach Herkunft und Klima bekannt. Eine nicht ausreichend präzise
Analysenmethode für Fette und Öle ist die Dünnschichtchromatographie.
Umesterung
Zur Bestimmung der
Fettsäuren bedient man sich der Umesterung mit Methanol. Die resultierenden
Fettsäuremethylester werden gaschromatografisch getrennt und mit Hilfe
von Vergleichssubstanzen zugeordnet.
Die Umesterung von Rapsöl
wird großtechnisch durchgeführt zur Herstellung von Biodiesel.
Auch andere Fette und Öle können als Ausgangsstoffe für
Biodiesel dienen.
Summenparameter
Bei den analytischen Schwierigkeiten
ist die Beschränkung auf einige leicht zu bestimmende Summenparameter
verständlich. Sie werden nach Verfahren bestimmt, die durch Konventionen
festgelegt sind, um vergleichbare Werte zu erhalten.
Die Säurezahl
(SZ) gibt die Masse Kaliumhydroxid an, die zur Neutralisierung von 1 g
der zu untersuchenden Probe erforderlich ist. Freie Säuren in Fetten
und Ölen beeinträchtigen die Haltbarkeit und die Stabilität
beim Erhitzen. Beim Erhitzen z.B. Braten und Frittieren kommt es oberhalb
einer bestimmten Temperatur zu Rauchentwicklung, d.h. Zersetzung. Dieser
Rauchpunkt . Tab.3 sollte nicht überschritten
werden.
Die Verseifungszahl (VZ)
ist ein Maß für die in 1 g Fett vorkommenden gebundenen und
freien Säuren. Je kleiner die molare Masse eines Fettes ist, desto
größer ist die Verseifungszahl. Die Esterzahl errechnet sich
aus der Differenz von Verseifungszahl und Säurezahl.
Bei der Verseifung bleibt
meist ein Rückstand (0,2-0,3%). Es handelt sich dabei um Phytosterole
sowie um Tocopherole. Die Tocopherole, die auch als Vitamin E bekannt sind
haben ausgeprägte antioxidativen Eigenschaften. Auch für die
Haltbarkeit der Öle ist diese Substanzgruppe von Bedeutung. Als Lebensmittelzusatzstoffe
sind die Tocopherole (α-,
β- und γ-),. unter den Bezeichnungen
E307, E 308 und E 309 zugelassen. Oft können Öle nur durch ihre
Muster der unverseifbaren Anteile unterschieden werden.
Die Iodzahl (IZ)
nimmt mit zunehmenden Anteil an ungesättigten Fettsäuren zu.
Sie gibt die Menge Iod in g an, die an 100 g Fett addiert werden kann.
Dazu gibt man einen Überschuss Iodbromid (IBr) hinzu und titriert
das nicht umgesetzte Iodbromid nach Umwandlung durch Zugabe von Iodid zu
Iod (I2 bzw.
I3-)) mit
Thiosulfat zurück. Tab. 4
Die Peroxidzahl (POZ)
ist ein Maß für den Anteil von Peroxiden im Fett, welche durch
oxidativen Fettverderb entstanden sind. An der CH2-Gruppe
in Nachbarschaft einer Doppelbindung bildet der Luftsauerstoff eine OOH-Gruppe.
Die POZ ist die Gesamtmenge an Substanzen in der Fettprobe ausgedrückt
in Milli -Äquivalenten Sauerstoff je Kg Fett, die unter bestimmten
Analysebedingungen Kaliumiodid oxidieren.Es ist verständlich, dass
mehrfach ungesättigte Fettsäuren gegenüber Sauerstoff empfindlicher
als einfach ungesättigte sind. Die O-O-Bindung bricht leicht zu 2
Radikalen, die in unübersichtlichen Folgereaktionen zur Verharzung
führen (trocknende Öle). Im einfachen Falle bilden sich geruchsintensive
Aldehyde.
Feuchtigkeit im Öl
begünstigt Mikroben, die u.a. Fettsäuren abspalten, deren niedrige
Glieder wie z.B. Buttersäure sehr geruchsintensiv sind. Verdorbene
Fette und Öle werden als ranzig bezeichnet; von lat. rancidus, stinkend.
Funktionen
Fette haben für den
tierischen und den menschlichen Organismus verschiedene Funktionen. Da
ist die schlechte Wärmeleitfähigkeit von Fett Tab.5,
die eine Isolierung d.h. Schutz vor Kälte bewirkt. Die Minderung der
Wirkung von Stößen auf Organe wird meist übersehen. Die
wichtigste Funktion ist sicher die Energie-Speicherung sowohl für
pflanzlich als auch tierische Organismen. Wesentliche Voraussetzung dafür
ist, dass Fette wie Öle so gering in Wasser löslich sind, dass
sie den osmotischen Zustand in der Zelle nicht beeinflussen.
Die gespeicherte Energie
ist erheblich: Tab. 6.
Am Anfang des Metabolismus steht die Lipolyse, d.h. die Freisetzung der Fettsäuren. Diese werden in Umkehrung der Biosynthese durch β-Oxidation in Acetyl- Co-A gespalten, das in den Citronensäurecyclus eintreten kann. Abgesehen von der Bildung von Fett aus Kohlenhydraten (Schweinemästerei) ist die Aufnahme von Fetten ein wesentlicher Teil der Ernährung. Die Resorption ist möglich nach der Wirkung der Gallenflüssigkeit, die in der Leber gebildet und in den Zwölffingerdarm (Duodenum) ausgeschüttet wird. Die Gallenflüssigkeit zerlegt die Lipide in kleine von den Lipasen angreifbare Tröpfchen.
Zusammensetzung der Fette und Öle
Die voneinander abweichenden
Analysenangaben für einzelne Öle sind nicht den verschiedenen
Messgenauigkeiten der einzelnen Laboratorien zuzuordnen, sondern der schwankenden
Zusammensetzung je nach Herkunft des Öles. In Tab.7
sind nicht die vollständigen Analysen angegeben, sondern die schwankenden
Gehalte einiger Fettsäuren.
Auf den Einfluss der Ernährung
bei Tieren wurde schon hingewiesen.
Besondere Erwähnung
und Diskussion soll dem Rapsöl gelten , das aus Brassica napus
und Brassica rapa gewonnen wird Die seit 1973 zugelassenen Sorten
zeichnen sich durch einen niedrigen Gehalt von nur noch 0,5-1,5% an Erucasäure
(22:1) aus. Sie führt zu Herzverfettung und pathologischen Veränderungen.
In einer Verordnung wurde ihr Gehalt auf maximal 5% begrenzt. Rapsöl
alter Art (Rüböl) enthielt bis 30% Erucasäure und konnte
nicht für die Herstellung von Speiseöl verwendet werden. Außerdem
enthielt Rüböl Bitterstoffe (Glucosinolate, aus denen Senföl
entsteht), deren Gehalt in den neuen Zuchtsorten ebenfalls verringert ist.
1816 beschreibt E. Chevreul
eine Fettsäure, die er nach dem Aussehen der Perlmuschel griech. margaros,
Margarinsäure nannte. Später stellte es sich heraus, dass es
sich um eine Mischung aus Stearin- und Palmitinsäure handelte.
1869 beauftragte Napoleon III. (1808-1873) den Chemiker Hippolyte Mège-Mouriès
eine Butter herzustellen, die billiger wäre als natürliche Butter.
Noch im selben Jahr wurde die Kunstbutter unter dem Namen Oleomargarin
patentiert. Als Hauptfettlieferant diente Rindertalg. Die Bezeichnung Margarine
hat sich für das Industrieprodukt international durchgesetzt. Pflanzlichen
Fetten (Ölen) fehlt bedingt durch den Gehalt an ungesättigten
Fettsäuren die gewünschte Konsistenz. Die katalytische Hydrierung
konnte auf ungesättigten Fettsäuren ausgedehnt werden. Die so
gehärteten Fette können jedoch trans-Fettsäuren enthalten,
die durch Isomerisierung bei der Hydrierung entstehen. Sie erhöhen
nach einer Studie der ETH Zürich das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung.
Trans-Fettsäuren
werden auch für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich
gemacht. In Dänemark ist der Gehalt von trans-Fettsäuren auf
2% in Speisefetten begrenzt; die gleiche Begrenzung ist für Deutschland
ab 2008 vorgesehen. Die aus Ölsäure gebildete trans-Fettsäure
heißt Elaidinsäure von griech elaion, Olivenöl.
Drei Dicarbonsäuren
weisen durch ihre Namen auf die erste Synthese aus Fett hin: Adipinsäure,
lat. adeps suillus, Schweineschmalz; Sebacinsäure, lat. sebum,
Talg; Pimelinsäure, griech. pimele, Fett. Die Synthesen heute
gehen gezielt vor, wogegen die ersten Synthesen unspezifische Oxidationen
waren.
Wachsalkohole
Myristylalkohol
C14H29OH
Cetylalkohol
C16H33OH
Cerylalkohol
C26H53OH
Myricylalkohol
C30H61OH
Lecithine
Fettsäuren
R1-COOH
R2-COOH
X= z.B.
Phosphatidylcholin
oder
Phosphatidylethanolamin
Fettsäuren
| 4:0 | Buttersäure
oder Butansäure oder Propancarbonsäure |
||
| 16:0 | Palmitinsäure
oder Hexadecansäure |
||
| 18:0 | Stearinsäure
oder Octadecansäure |
||
| 18:1
(ω-9) |
Ölsäure
oder cis-9-Octadecensäure oder Z-9-Octadecensäure |
||
| 18:2
(ω-6) |
Linolsäure
oder (cis,cis)- Octadeca-9,12-diensäure |
||
| 18:3
(ω-6) |
γ-Linolensäure
oder (all-cis)Octadeca-6,9,12-triensäure |
||
| 18:3
(ω-3) |
α-Linolensäure
oder (all-cis)-Octadeca-9,12,15-triensäure oder 9c,12c,15c-Octadecatriensäure |
||
| 20:0 | Arachinsäure oder Eicosansäure | ||
| 20:4
(ω-6) |
Arachidonsäure
oder (all-cis)-5,8,11,14-Eicosatetraensäure oder Eicosa-5,8,11,14-traensäure |
||
| 20:5
(ω-3) |
EPA
(all-cis)-5,8,11,14,17-Eicosapentaensäure (acid) oder Eicosa-5,8,11,14,17-pentaensäure |
||
| 22:1 | Erucasäure
oder cis-13-Docosensäure |
||
| 22:6 (ω-3) | DHA
(all-cis)-4,7,10,13,16,19-Docosahexaensäure (acid) oder Docosa-4,7,10,13,16,19-hexaensäure |
Rauchpunkt
| Gehärtetes*) Erdnussöl |
|
| Palmkernfett |
|
| Raffinierte**) Öle |
|
| kaltgepresstes Rapsöl |
|
| kaltgepresstes Olivenöl |
|
*) hydriert
**) gereinigt
Typische Iodzahlen
| Bienenwachs |
|
| Palmkernöl |
|
| Rindertalg |
|
| Olivenöl |
|
| Sonnenblumenöl |
|
| Leinöl |
|
Wärmeleitfähigkeit
| Kupfer |
|
| Stein |
|
| Wasser |
|
| Luft |
|
| Fett |
|
Brennwerte
| 1 g Fett |
|
| 1 g Kohlenhydrate |
|
| 1 g Protein |
|
| 1g Alkohol |
|
Schwankungsbreite einiger
Fettsäuren in ausgewählten Fetten und Ölen
|
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Ölsäure |
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| Olivenöl |
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| Rapsöl |
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| Leinöl |
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| Erdnussöl |
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| Rindertalg |
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| Schweineschmalz |
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